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| Der 7. Tag, Donnerstag, 12. September 2002 |
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Ici l'hotel? Non!
Hurra, heute mal wieder Zugfahren. Da wir am vergangenen Tag unsere Quote ruinierten, müssen wir heute einiges aufholen: Unsere Route führt mit 4 Zügen von St. Malo über Rennes, Nantes und Bordeaux nach Lourdes. Insgesamt fast 12(!) Stunden. Tja, so sind sie halt, die Interrail-Extremisten.
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Und weil Lourdes so ein beschauliches Ziel ist, haben wir beschlossen, heute ein wenig Heilfasten zu betreiben und so wenig Alkohol wie möglich (also eigentlich gar keinen) zu uns zu nehmen. Thorsten will an dieser Aktion nicht partizipieren, denn nur die Harten kommen ins gelbe Trikot des Bierwertungsführenden.
Hatten wir beschlossen, nach Lourdes zu fahren? Jetzt sind wir uns nicht mehr so sicher. Aufgrund unendlicher Möglichkeiten, die uns der ungetaktete Fahrplan (nebenbei: Hier stinkt's nach Thunfisch!) gibt, haben wir plötzlich auch die Idee, mit diesem Zug bis nach Toulouse zu fahren, und somit morgen zwei Stunden zu sparen. Ist es denn die Possibiliti? Aber nein! Kultur muß sein und so bleiben wir beim ursprünglichen Ziel. Auch Attila stimmt uns diesbezüglich zu. Zumindest protestiert er nicht. Ihren ungetakteten Fahrplan gleichen die SNCF übrigens durch optisch ansprechende Schaffnerinnen aus.
Wir sind nach Frankreich gekommen, um wie der Lance die wunderschönen Sonnenblumenfelder zu sehen. Und was ist? Alle bisherigen Haine sind bereits verblüht. 200 Puls hab' ich, bald!
Statt schöner Sonnenblumen gibt es dafür aber genügend schöne, nymphomanische Französinnen, die in unser Zugabteil stürmen und sich uns hingeben. Dann ist Oli leider aufgewacht.
Nous sommes ici! Ja, tatsächlich! Mitten in der Nacht sind wir im Las Vegas der Pyrenäen gelandet. Ohne nochmal nach der Jugendherberge zu sehen, sind wir direkt ins nächste Hotel gegenüber vom Bahnhof gegangen. Eine weise Entscheidung, weil 11 Euro und alles herrlich.
Die Stadt selbst ist unglaublich! Gerade wird um 22h McDonalds geschlossen und etwa 100 Meter weiter beginnt ein kirmesähnliches Treiben. Alte, Kranke und Nonnen liegen sich - beinahe jedenfalls - glücklich in den Armen oder tragen kleine Fläschchen mit Heilwasser, Kerzen, Laternen oder kitschige Postkarten (die Souvenirläden scheinen die ganze Nacht geöffnet zu sein) mit sich herum. Dazwischen fährt eine kleine Touristenbahn lustisch umher (kein Scherz: die Insassen haben uns zugejubelt!), während laufend busweise neue Religionsopfer herangekarrt werden. Höhepunkt bisher: Eine kleine Dreimanndemo mit einem gestickten Peace-Transparent! Dazu überall blinkende Neon-Reklame, Mallorca für Super-Christen, Mekka für Katholizismus-Fetischisten. Nix wie weg...
Master of Lourdes: Thomas
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