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| Der 11. Tag, Montag, 16. September 2002 |
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Ils sont fou.
Der Tag beginnt. Thorsten: "Oli, was ist nur aus Dir geworden?" - Oli: "Ich bin ein 'Du' geworden!"
Mittags Abreise aus Cassis und Aufenthalt in Marseille: Eigentlich hatten wir geplant, unmittelbar nach Monaco zu fahren. Da aber alle TGV gen Osten ausgebucht sind, bleiben wir einige Stunden bis zur Abfahrt des ersten TER.
Oli und Thomas hängen nur rum, Thorsten und René wollen die Stadt erkunden, was sie später bereuen sollten: Marseille ist eine nicht enden wollende Weidengasse, ein Moloch ohne Luft, dafür Smog. Für uns keine Empfehlung wert. Thorsten strandet erschöpft in der Hundefutterabteilung. Was verbirgt sich eigentlich hinter "Khalifa Airways"?
Wir reisen in einem sehr gut gefüllten Zug weiter nach Nizza, von wo aus es mit dem Nachtzug wieder gen Benelux (und mal wieder durch Marseille S.C.) gehen soll.
Nizza ist wunderschön, wir haben die ersten drei Straßen des Bahnhofsviertels gesehen und Thorsten stellte am Abfahrtsplan schockiert fest, daß wir gut die Hälfte der aufgeführten Bahnhöfe in der letzten Woche gesehen haben. Doch nun fahren wir wieder entlang der Küste. Ausserdem haben wir unsere letzte Flasche Wein, die das Team "Uni-Köln" gestern nicht mehr als Geheimwaffe einzusetzen in der Lage war, geöffnet.
Return of Skatbongos VII: Heute wird die Entscheidung zwischen Thomas und Oli fallen, bisher konnten beide dreimal den Titel "Master of Reiseziel" erstreiten.
Danke lieber Eisenbahngott, wir werden von kiffenden Raggamuffins beschallt. Diese vergraulen zunächst die meisten Mitreisenden und schleppen anschließend die zwei verbliebenen Chicas ab. Ein Umzugskommando befindet sich auch an Bord. Außerdem ein seltsamer Lederjackenmensch mit zwei Bäumen. |
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22:50, hurra wieder Marseille. Das Kuriositätenkabinett im Zug wird stetig erweitert. Neu hinzugekommen sind die 3 Mullahs aus Bullerbüh, sowie eine afrikanische Stammeskönigin mitsamt Trommel. Thorsten schaltet vorsichtshalber das Licht aus...
23:45: Der erste Mensch schnarcht. Eine Art schlürfendes Schlabbern mit gelegentlichen Erstickungsschocks.
0:20: René räumt den Platz, so daß nun jeder eine eigene Zweierreihe hat. Très bon!
1:50: Die Posen werden immer irrationaler und lassen beinahe Knochenbrüche vermuten. Oli gibt es auf und vernichtet lieber Renés Kekse.
2:00: Nun sieht es auch Rene ein. 500 verschiede Sitzpositionen ausprobiert, keine Minute geschlafen. Also schnell ins Keksevernichten einsteigen, bevor Oli uneinholbar vorne liegt.
Den Meister Schnarchnase 2 Reihen vor uns scheint das aber alles überhaupt nicht zu tangieren. Der ratzt wie ein Weltmeister und kappt Baum um Baum.
2:05: Die Sehnsucht nach einem Discman wird unvorstellbar groß.
2:12: Die Frau vor Renè wiehert... oder so...
4:25: Unbestätigten Vermutungen zufolge haben wir: a) Tatsächlich ein paar Sekunden geschlafen und b) Unser Abteil in einem Kühlwagen gewählt. Thomas hat mittlerweile wieder seinen Schlafsack ausgepackt.
4:55: Wir könnten mit unserem Gaskocher die Sitze anzünden. Wir könnten auch die dicke Frau verfeuern, die gerade aus dem anderen Zugteil kommt.
5:05: Wir erreichen Culmont-Chalindrey. Hurra, auf dem Bahnsteig ist es wärmer. Beim Tippen dieses Textes sind die Finger klamm. Wir schreiben das Jahr 2002, Rückkehr der rollenden Kühltruhe.
5:10: Thorsten überlegt, sich die Extremitäten im Abgasstrahl der Rangierlok aufzuwärmen. Können wir bitte noch länger ohne Energieversorgung durch Lok am Bahnsteig stehen? Durch unsere Körperwärme wird das Wageninnere aufgeheizt, da die Amokklimaanlage nicht läuft.
5:15: René hat wieder seine virtuelle Hand auf dem Kopf, seine virtuelle Mütze auf dem Schädel. Der Magen knurrt.
5:45: Erneut sind viele Mitreisende geflüchtet, diesmal vor der Kälte in den nächsten Wagen. Eine kleine Gruppe Eisbären ohne Fahrschein flaniert auf dem Gang.
7:00: Zum Sonnenaufgang erreichen wir Nancy und wechseln zum dritten Mal die Fahrtrichtung. Scharen von Berufspendlern entern den Zug. Wir essen ein paar Bröckchen Mineralwassereis.
8:25: In Thionville begegnet uns mal wieder unsere eigene, bahntechnische Vergangenheit. Wir befürchten, nochmal Brügger Zeittunnel durchlaufen zu müssen. Die anderen Drei denken das Gleiche wie letztens. Mit dem nächsten Zug nach Lüttich beginnt "unser" Dienstag.
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